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# HSV-Trainer Polzin irritiert von Kritik an Ergebnissen
- URL: https://www.feverpitch.de/hsv-trainer-polzin-irritiert-von-kritik-an-ergebnissen/
- Published: 2026-09-20T13:04:57.000Z
- Updated: 2026-09-20T13:09:09.000Z
- Description: Der Sieg gegen Köln kommt gerade rechtzeitig, um die vorzeitige Vertragsverlängerung zu rechtfertigen – und das zählt mehr als drei Niederlagen davor.
- Author: Pit Gottschalk

„Da geht jetzt erstmal Jeder mit einem geilen Gefühl in die Länderspielpause", sagt Torhüter Daniel Heuer Fernandes nach dem 2:1 gegen den 1\. FC Köln. Gefühlt ganz Hamburg atmet auf, die ersten Treffer, die ersten Punkte der Saison. Und doch war die eigentliche Entscheidung da längst gefallen – einen Tag vorher, ohne dass ein einziges Tor gefallen wäre.

Denn der Sieg gegen Köln kam am Tag nach dem deutlichen Treuebekenntnis zu Merlin Polzin. Der Klub hatte sich also festgelegt, als die Bilanz noch null Punkte und 0:12 Tore aus drei Spielen lautete. Das ist die eigentliche Nachricht: Der HSV bekannte sich zu seinem Trainer, bevor irgendetwas auf dem Platz ihm recht gegeben hätte.

Kapitän Nicolai Remberg widmet den Dreier kurzerhand dem Trainerteam. „Weil die eine überragende Arbeit machen. Das ist kein Schleimen", sagt der Antreiber. Trotz des Fehlstarts habe es „nicht eine kritische Stimme in der Mannschaft" gegeben. Ein Kapitän, der so redet, redet nicht über ein Ergebnis. Er redet über eine Haltung, die schon vor dem Ergebnis da war.

Ein einziger Sieg gegen Köln kehrt einen 0:12-Fehlstart natürlich nicht um, und er beweist noch nichts über die Substanz von Polzins Arbeit. Null Punkte, zwölf Gegentore, kein eigener Treffer in drei Spielen: Eine Mannschaft, die so anfängt, hat kein Recht auf Gelassenheit. Wer den Trainer in dieser Lage hält, kann sich auch bloß an ihn geklammert haben, weil ihm die Alternative fehlte.

Nur passt das nicht zu dem, was Polzin selbst schildert. Die Wochen seien „sehr interessant" gewesen, einige Stimmen hätten ihn „irritiert". Er habe aber gesehen, wer „den Prozess bewertet und nicht nur die Ergebnisse". Das ist die feine Unterscheidung, um die es geht. Ein Klub, der nur auf die Tabelle schaut, hätte nach 0:12 die einfache Lösung gewählt. Der HSV hat sie nicht gewählt.

Und Polzin misstraut der Euphorie um seine Person zu Recht. „Wenn du Ergebnisse lieferst, beschleunigt das den Prozess", sagt er, schiebt aber nach: „Wir wissen aber auch, dass wir die Zeit in der Länderspielpause nutzen müssen." Der Zusammenhalt im Verein gebe ihm ein „brutal positives" Gefühl, die Unterstützung der Fans sei „die Kirsche auf der Torte". Die Kirsche, wohlgemerkt – nicht die Torte.

Man habe im Klub „etwas auf den Weg gebracht, dass deutlich stabiler ist als drei Niederlagen", sagt der Trainer. Genau das ist der Prüfstein, den der HSV bestanden hat, bevor Köln kam. Denn Stabilität zeigt sich nicht, wenn die Punkte fließen. Sie zeigt sich, wenn null Punkte und 0:12 auf dem Konto stehen und der Verein trotzdem nicht wackelt.

Der Sieg gegen Köln ist deshalb keine Rechtfertigung des Treuebekenntnisses. Er ist die Belohnung dafür, dass der HSV es nicht nötig hatte.