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# Gladbach bei null Punkten: Zuversicht ist keine Taktik
- URL: https://www.feverpitch.de/gladbach-bei-null-punkten-zuversicht-ist-keine-taktik/
- Published: 2026-10-20T04:04:00.000Z
- Updated: 2026-10-20T04:03:59.000Z
- Description: Nach sechs Spieltagen hat Borussia Mönchengladbach keinen Zähler. Die Verantwortlichen Rouven Schröder und Alexander Blessin reden von Selbstvertrauen – doch das steht nirgends in der Tabelle.
- Author: Redaktion
- Tags: #kommentar1

Im strömenden Regen von Mönchengladbach stand Moritz Nicolas und fand kaum noch Worte. „Es ist einfach brutal frustrierend“, sagte der Torhüter nach dem 1:2 gegen die TSG Hoffenheim. „Aktuell ist jedes Wort zu viel.“ Dann der eine Satz, der die ganze Lage trägt: „Wir müssen einfach zwingend schauen, dass wir Punkte holen. Und das sehr schnell.“

Genau das ist das Einzige, worauf es jetzt ankommt – und genau das bleibt aus. Sechs Spieltage, null Punkte, Tabellenende. Der Trainerwechsel von Eugen Polanski zu Alexander Blessin hat daran nichts geändert. Die Durchhalteparolen von Blessin und Sportchef Rouven Schröder klingen nach Haltung, aber sie ersetzen keine Lösung. Und die Lage ist sportlich bedrohlich: Gladbach droht der dritte Abstieg der Vereinsgeschichte.

Blessin ist ja erst zwei Spiele im Amt. Nach der Pleite im Derby beim 1\. FC Köln folgte nun die verpatzte Heimpremiere – da braucht ein Umschwung Zeit, keine Frage. Und der Satz, den er seinen Spielern im Kreis gesagt hat, zeigt eine klare innere Haltung: „Die Schwachen bleiben liegen, die Starken werden aufstehen.“ Er glaube daran, auch wenn wenige daran glauben.

Nur: Glaube ist das Billigste, was ein Trainer in dieser Situation anbieten kann. Er ist umsonst zu haben. Was Blessin selbst hinterherschiebt, entlarvt die eigene Zuversicht: Man müsse „in der täglichen Arbeit in den nächsten Wochen eine Schippe drauflegen“. In den nächsten Wochen – während unten in der Tabelle die Nullen stehen und die Konkurrenz Punkte sammelt.

Schröder redet in dieselbe Richtung. „Bei aller Kritik und allem, was wir haben, werden wir den Laden morgen nicht zusperren“, sagte der Sportchef, der am Sonntag seinen 51\. Geburtstag feierte. Man müsse „in die Köpfe rein und Selbstvertrauen einflößen, anders wird es nicht funktionieren“. Ein ehrlicher Satz – und zugleich ein Eingeständnis, dass man bei den weichen Faktoren angekommen ist, weil die harten fehlen.

Selbstvertrauen holt man nicht aus Ansprachen, sondern aus Ergebnissen. Nicolas hat das in einem Nebensatz präziser gesagt als seine Vorgesetzten: zwingend, sehr schnell. Nicht in kleinen Schritten, nicht in den nächsten Wochen. Schröder aber bremst schon die eigene Erwartung: „In Stuttgart rechnet keiner mit uns, dass wir da was holen.“ Es geht „nur mit kleinen Schritten“.

Schon am Freitag geht es zum Champions-League-Teilnehmer VfB Stuttgart. Für ein abgeschlagenes Schlusslicht ist das kein Ort, an dem Serien beginnen. Wenn ein Sportchef vor dem Spiel öffentlich formuliert, dass dort keiner mit Punkten rechnet, dann hat er die Woche faktisch schon abgehakt – und mit ihr die Dringlichkeit, die sein Torhüter einfordert.

Dass Verantwortliche nach sechs Niederlagen Zuversicht verbreiten, ist ihr Job. Dass sie dabei im selben Atemzug von kleinen Schritten und den nächsten Wochen sprechen, ist das Problem. Denn die Tabelle rechnet nicht in Wochen, sie rechnet in Spieltagen. Und sechs davon sind weg.

Blessin glaubt, dass die Starken aufstehen. Die Tabelle zeigt bislang nur, dass Gladbach liegt.