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# Füllkrug zwingt Klopp zu einer Entscheidung, die er meidet
- URL: https://www.feverpitch.de/fullkrug-zwingt-klopp-zu-einer-entscheidung-die-er-meidet/
- Published: 2026-11-01T05:44:00.000Z
- Updated: 2026-11-01T05:43:59.000Z
- Description: Werder ist seit dem Auftakt ungeschlagen, der Stürmer trifft wie Rudi Völler. Fünf Tage vor der Nominierung wird das Schweigen unterhaltsam.
- Author: Redaktion

Niclas Füllkrug setzt sich in der 57\. Minute nach langem Ball von Keeper Hein im Zweikampf durch und schiebt einen satten Linksschuss ins Hoffenheimer Tor von Oliver Baumann. Neunter Saisontreffer, siebtes Bundesliga-Spiel in Serie mit eigenem Tor. Bei der Auswechslung in der 90.+1 umarmt ihn Trainer Daniel Thioune, als hätte er gerade den Pokal geholt.

Was da passiert ist, hat vor Füllkrug im grün-weißen Trikot nur ein Einziger geschafft: Rudi Völler, in der Saison 1982/83\. Eine Serie, die über vier Jahrzehnte stehengeblieben ist, trägt jetzt denselben Namen wie das lauteste Argument, das ein Stürmer im Herbst 2026 vorlegen kann. Und das Timing ist alles andere als zufällig gewählt – fünf Tage vor dem 5\. November, dem Tag, an dem Bundestrainer Jürgen Klopp seinen Kader beruft.

Man kann einwenden, der 33-Jährige liefere die Form eines Herbstes, während ein Bundestrainer ein Team für eine WM-Zukunft baut, in der ein Stürmer mit 33 eher Teil der Vergangenheit ist als der Planung. Das ist die Logik des langen Zyklus: Wer jetzt setzt, wer in zwei Jahren spielt. Nach dieser Rechnung ist Füllkrugs Serie ein schönes Kapitel – aber keines, das in die Nationalmannschaft führt.

Nur passt diese Rechnung nicht zu dem, was in Bremen gerade zu besichtigen ist. Werder ist seit dem Saisonauftakt ungeschlagen, mischt am 8\. Spieltag oben mit, und das Team von Thioune trägt diese Euphoriewelle vor allem auf den Toren eines Mannes. Thioune nannte ihn vor dem Anpfiff bei Sky „unersetzlich“ – „als Persönlichkeit, auf dem Platz. Er trifft viel gerade, das tut uns gut.“ Ein Trainer, der seinen Stürmer so beschreibt, redet nicht über Nostalgie.

Und Füllkrug trifft ja nicht gegen schwache Gegner im Glück. Beim 2:3 in Dortmund legte er aus einer Jokerrolle zwei Tore nach, gegen Hoffenheim stand er wieder in der Startelf und entschied das Spiel. Eren Dinkci besorgte in der 82\. Minute das 2:0, aber die Melodie gab der Mann vor, dem die Serie gelang, die seit Völler niemand erreicht hat.

Die Gegenseite, Hoffenheim um Coach Christian Ilzer, verpasste den dritten Bundesliga-Erfolg in Serie und ließ schon unter der Woche beim 3:4 i. E. gegen Zweitligist Kiel viel vermissen. Werders Woche sah anders aus: das respektable 2:3 beim BVB, jetzt der nächste Dreier. Zwei Klubs, die aus der Pokalenttäuschung kamen – nur einer hat daraus etwas gemacht.

Das Argument gegen einen 33-Jährigen klingt vernünftig, solange man es abstrakt führt. In dem Moment aber, in dem ein Stürmer Woche für Woche trifft und sein Team ganz oben hält, verliert die Zukunftsrechnung ihren Boden. Eine WM gewinnt man nicht mit Spielern, die in zwei Jahren vielleicht in Form sind, sondern mit denen, die heute Tore machen.

Füllkrug sammelt mit jedem Treffer Pluspunkte vor dem 5\. November, und er macht das auf die einzige Art, die ein Bundestrainer nicht ignorieren kann. Klopp muss am Donnerstag nicht entscheiden, ob er an die Zukunft glaubt. Er muss entscheiden, ob er an die Tabelle glaubt – und die zeigt in diesen Wochen nach Bremen.