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# Front gegen Katar: 46 Stimmen, die niemandem gehören
- URL: https://www.feverpitch.de/front-gegen-katar-46-stimmen-die-niemandem-gehoren/
- Published: 2026-08-19T04:07:52.000Z
- Updated: 2026-08-19T04:08:18.000Z
- Description: Ein Verbandschef stellt sich gegen den Kontinentalchef — und legt offen, wie brüchig die Blöcke im Kampf um den FIFA-Thron in Wahrheit sind.
- Author: Redaktion

Ein Brief, drei Kontinentalverbände, ein gemeinsamer Adressat: Gianni Infantino. Als die AFC, die UEFA und die CONCACAF ihr Schreiben gegen den FIFA-Präsidenten aufsetzten, sollte das nach Geschlossenheit aussehen. Doch aus Katar kam nicht Applaus, sondern eine Frage nach der Zuständigkeit.

Hamad bin Khalifa al-Thani, Katars Verbandschef, verlangte eine Erklärung, warum vor dem Schreiben der drei Konföderationen keine Konsultation stattfand und auf welcher Grundlage die AFC im Namen ihrer 47 Mitgliedsverbände sprechen könne – Katar eingeschlossen. Damit ist der Machtkampf um Infantino dort angekommen, wo er am gefährlichsten wird: nicht zwischen den Erdteilen, sondern mitten in ihnen.

AFC-Präsident Scheich Salman bin Ibrahim al-Khalifa wehrt sich gegen den Angriff aus den eigenen Reihen mit einem Satz, der keinen Zweifel lässt. „Ich weise jede Andeutung entschieden zurück, dass meine Beteiligung an der gemeinsamen Erklärung meine Befugnisse überschritten habe oder dass die AFC einen Fehler begangen hat, indem sie sich daran beteiligt hat“, schrieb der Bahrainer. Es liege in der Verantwortung des AFC-Chefs, „die Interessen und Werte dieses Sports zu schützen“.

Die Frage aus Katar ist keine Petitesse. Wer im Namen von 47 Verbänden gegen den mächtigsten Mann des Weltfußballs auftritt, sollte sagen können, wer ihn dazu ermächtigt hat. Al-Thani pocht auf Verfahren, auf Rückkopplung, auf das Recht der Kleinen, gefragt zu werden, bevor über ihre Köpfe hinweg eine Erklärung abgeht. In einem Verband, der sich als Gemeinschaft versteht, ist das ein legitimer Einwand.

Nur trägt er nicht weit. Denn Salmans Antwort ist am Ende die entscheidende: Unter Umständen wie jenen, die zur gemeinsamen Erklärung geführt haben, wäre Schweigen mit seiner Verantwortung unvereinbar gewesen. Auslöser war Infantinos WM-Investorenplan, der inzwischen verworfen wurde. Ein Vorstoß, gegen den drei Kontinente den Ton verschärft haben, verlangt keine Rundmail an 47 Adressen, bevor jemand widerspricht.

Was Katars Vorstoß in Wahrheit offenlegt, ist die Schwäche der Front, nicht Salmans Überschreitung. Die AFC besitzt 46 Stimmen, aber es besteht kein Zwang, der Linie des Kontinentalverbandes zu folgen. Einzelne nationale Verbände – gerade aus Asien – haben Infantino längst ihre Unterstützung zugesagt. Der Block, der auf dem Briefkopf so einig aussieht, zerfällt in der Kabine in Einzelstimmen.

Genau hier liegt Infantinos Reserve. Solange die UEFA seinen Rückzug forciert und die Kontinentalverbände den Ton verschärfen, klingt das nach einer Übermacht. Solange sich aber kein Gegenkandidat für den Kongress im März 2027 aus der Deckung wagt, ist der Widerstand ein Chor ohne Solisten. Ein offener Brief stürzt keinen Präsidenten. Eine Wahl tut es.

Das Manöver aus Doha ist deshalb mehr als eine Verfahrensbeschwerde. Es ist der Beweis, dass die 46 Stimmen der AFC keinem gehören – nicht Salman, nicht Infantino, nicht der Empörung. Sie liegen bereit, und jeder, der sie einsammeln will, muss sie sich einzeln holen.

Die UEFA sucht in Asien Verbündete gegen den FIFA-Chef. Katar zeigt ihr, dass sie dort erst einmal Gegner findet.

*Unbedingt lesen:* [*Infantino-Schreiben: AFC-Chef wehrt sich gegen Kritik aus Katar*](https://www.feverpitch.de/infantino-schreiben-afc-chef-wehrt-sich-gegen-kritik-aus-katar/)