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# Frauenfußball: Wer nicht investiert, bekommt eine Ausbildungsliga
- URL: https://www.feverpitch.de/frauenfussball-wer-nicht-investiert-bekommt-eine-ausbildungsliga/
- Published: 2026-08-20T10:37:50.000Z
- Updated: 2026-08-20T10:38:41.000Z
- Description: Kathrin Hendrich kehrt aus den USA zurück und mahnt trotzdem. Ihre Warnung ist keine Momentaufnahme, sondern eine alte Rechnung.
- Author: Redaktion

Eine Verteidigerin mit 91 Länderspielen unterschreibt beim 1\. FC Köln, nach einem Jahr bei den Chicago Red Stars in den USA. Während viele deutsche Spielerinnen in der Sommerpause ins Ausland wechselten, geht Kathrin Hendrich in die andere Richtung. Und der erste Satz, den sie über die Liga sagt, in die sie zurückkehrt, ist keine Liebeserklärung.

„Ich glaube, dass das Ausland mittlerweile auch sehr attraktiv geworden ist“, sagt sie im SID-Interview: „Deutschland hat immer noch eine super Liga, aber man muss gucken, dass man den Anschluss nicht verliert.“ Eine Warnung von jemandem, der beide Seiten kennt, gehört zu den unangenehmsten Rückmeldungen, die eine Liga bekommen kann.

Denn hier warnt keine Abtrünnige, sondern eine Rückkehrerin: Die Bundesliga verliert ihre besten Spielerinnen nicht an bessere Ligen, sie verliert sie an bessere Bedingungen. Wer bei Infrastruktur und Gehältern nicht nachlegt, wird zur Ausbildungsstation für England und die USA, und zwar unabhängig davon, wie gut hier gespielt wird.

Hendrichs Diagnose ist präzise und deshalb so bitter. „Man muss weiter in die einzelnen Vereine und in ihre Infrastruktur investieren. Das hat sich im Ausland deutlich verbessert, sodass Spielerinnen sagen: Ich gehe lieber dahin, weil ich da bessere Möglichkeiten habe.“ Das ist keine Kritik am Niveau der Bundesliga, das ist eine Aussage über die Ausstattung ihrer Klubs.

Der Satz, der den Verantwortlichen wehtun müsste, ist ein anderer: „Es sind immer dieselben Themen, über die man seit Jahren spricht.“ Wenn eine Nationalspielerin die Diskussion um die Zukunft der Liga als Endlosschleife beschreibt, dann ist das Problem nicht ein schwacher Transfersommer, sondern eine Serie ungenutzter Jahre. Jede Saison, in der nur geredet wird, verschiebt den Abstand nach oben.

Hendrich hat die Bundesliga aus freien Stücken gewählt, mit guten Gründen. Die „letzte Saison war beeindruckend, ich glaube, die Ergebnisse sprachen für sich“, sagt sie über Köln, und sie will ihre Karriere „in der Nähe meiner Heimat und in Deutschland“ beenden. Eine Liga, die eine 91-malige Nationalspielerin aus den USA zurückholt, kann nicht so unattraktiv sein, wie ihre Kritiker behaupten.

Nur: Die erfolgreichste Spielzeit der Kölner Vereinsgeschichte war ein siebter Platz. Das ist der Maßstab, an dem sich diese Rückkehr messen lässt – und es zeigt, wie schmal die Spitze dieser Liga geworden ist, wenn schon ein Mittelfeldplatz als Klubrekord gefeiert wird. Wer aus Heimatverbundenheit zurückkommt, kompensiert keinen Sommer, in dem die Bewegung in die andere Richtung ging.

Heimat ist ein Argument, das man nur einmal pro Spielerin ausspielen kann, und es funktioniert am Ende einer Karriere besser als am Anfang. Junge Spielerinnen entscheiden nach Trainingsbedingungen, Perspektive und Geld. Genau dort benennt Hendrich die Rechnung ohne Umschweife: „Je mehr investiert wird, auch in Gehälter, desto attraktiver ist es. Um da mithalten zu können, wird da kein Weg drumherum führen.“

Dass sie ein Karriereende in Deutschland „nicht komplett ausschließen“ würde, klingt nach Bekenntnis und ist doch die vorsichtigste Formulierung, die eine Rückkehrerin für ihre Liga finden kann.

Die Bundesliga hat den Anschluss noch nicht verloren. Sie hat nur aufgehört, ihn zu verteidigen – und wer Spielerinnen ausbildet, damit andere sie einsetzen, hat seine Rolle im Frauenfußball nicht gewählt, sondern zugelassen.

*Unbedingt lesen:* [*Hendrich warnt Bundesliga: "Anschluss nicht verlieren"*](https://www.feverpitch.de/hendrich-warnt-bundesliga-anschluss-nicht-verlieren/)