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# Europa will Infantino stürzen – und hat niemanden
- URL: https://www.feverpitch.de/europa-will-infantino-sturzen-und-hat-niemanden/
- Published: 2026-10-20T04:47:00.000Z
- Updated: 2026-10-20T04:46:59.000Z
- Description: Die UEFA fordert seit Monaten den Rückzug des FIFA-Chefs. Nur hat sie bis einen Monat vor der Frist keinen, der ihn ablösen könnte.
- Author: Redaktion
- Tags: #kommentar2

25 Millionen US-Dollar je Verband, mehr als doppelt so viel wie bisher – das ist die Zahl, mit der Gianni Infantino derzeit über die Kontinente reist. Guido Tognoni, einst Mediendirektor der FIFA, hat dafür ein Bild gefunden, das sitzt: Infantino könne „den Mercedes-Katalog mitbringen für die Präsidenten, damit sie wissen, was sie mit dem Geld anfangen sollen“. Wer so auf Stimmenfang geht, braucht keine Argumente. Er braucht Prospekte.

Gegen diesen Wahlkampf tritt die Europäische Fußball-Union mit einer einzigen Botschaft an: Infantino soll zurücktreten. Nur hat sie, fünf Monate vor dem Kongress im März 2027 in Rabat, niemanden, der an seine Stelle treten könnte. Und genau das ist das Fiasko, vor dem Tognoni warnt – Europa verliert diesen Machtkampf nicht erst in Marokko, sondern schon jetzt, weil es ihn gar nicht erst führt.

Die Rechnung ist für Infantino längst aufgegangen. Die Unterstützung aus Afrika, Südamerika, Ozeanien und großen Teilen Asiens scheint ihm sicher. Vier Kontinente, bevor überhaupt ein Name der Gegenseite im Raum steht. Die UEFA hat seit der gescheiterten Investorenidee seinen Rückzug gefordert und ansonsten „einzig ihre Kriterien für eine mögliche Alternative an der FIFA-Spitze benannt“. Kriterien, keinen Kandidaten. Als suche man einen Bewerber über eine Stellenanzeige, während der Amtsinhaber schon die Belegschaft beschenkt.

Die Liste der Abgesagten liest sich wie ein Protokoll der Angst. UEFA-Chef Aleksander Ceferin hat eine Kandidatur ausgeschlossen. Der Katarer Nasser Al-Khelaifi steht nicht zur Verfügung. Victor Montagliani, Chef des Verbandes CONCACAF, laut Medienberichten ebenso wenig. Übrig bleiben zwei Namen, die zuletzt fielen: Arsène Wenger, früher Trainer des FC Arsenal, heute FIFA-Direktor – also Infantinos eigener Mann. Und Michele Kang, milliardenschwere Investorin im Frauenfußball. Bis zum 18\. November, so ließe sich sagen, bleibt ja noch Zeit für eine echte Kandidatur.

Nur ist Zeit genau das, was Europa verspielt. „Die UEFA hat im Moment einfach an Tempo verloren“, sagt Tognoni. „Und wenn sie jetzt nicht bald an Tempo zunehmen, dann könnte das Ganze noch in einem Fiasko enden.“ Vier Wochen vor Fristende einen Herausforderer aufzubauen, der vier Kontinente drehen soll, ist keine Kampagne mehr. Das ist ein Antrag auf Niederlage.

Dabei liegt das Problem tiefer als im fehlenden Namen. „Es gibt Leute, die schon die Ambitionen haben, aber die geben das nicht zu, weil sie Angst haben, dass sie verlieren“, sagt Tognoni. Da ist sie, die eigentliche Wahrheit dieses Machtkampfs: Die Gegner haben kalkuliert und sich ausgerechnet, dass es nichts zu gewinnen gibt. Gegen 25 Millionen pro Verband läuft kein Idealist an. Man verliert ja nicht gegen eine Person, man verliert gegen einen Scheck.

So wird Infantino wohl im März in Rabat wiedergewählt – und mit ihm fällt die Rechnung durch, die Europa eigentlich aufmachen wollte. Denn Tognoni warnt vor dem, was danach droht: eine Wiederwahl, „ohne dass es zu den von der UEFA geforderten grundlegenden FIFA-Reformen“ komme. Die Reformen waren der ganze Sinn der Übung. Ohne Kandidaten gibt es keinen Druck, ohne Druck keinen Deal, ohne Deal keine Reform.

Die UEFA hat recht mit jedem Wort, das sie über Infantino sagt. Sie hat nur niemanden, der es ihm ins Gesicht sagen darf. Ein Machtkampf, in dem die eine Seite Prospekte verteilt und die andere eine Stellenanzeige aufgibt, ist am 18\. November entschieden – nicht erst im März.