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# Ein Scheich wechselt die Seite: Infantino regiert durch
- URL: https://www.feverpitch.de/ein-scheich-wechselt-die-seite-infantino-regiert-durch/
- Published: 2026-10-23T10:34:17.000Z
- Updated: 2026-10-23T10:34:17.000Z
- Description: Asien stand gegen den FIFA-Chef – und steht nun uneingeschränkt hinter ihm. Europas Aufstand hat damit sein Fundament verloren.
- Author: Redaktion

In Tokio sagte Scheich Salman bin Ibrahim al-Khalifa, Chef der asiatischen Konföderation AFC, einen Satz, der im Machtkampf an der FIFA-Spitze mehr wiegt als jedes Dementi der UEFA: „Ihre Unterstützung für Gianni ist ganz klar.“ Uneingeschränkt stelle sich Asien hinter Gianni Infantino, den Präsidenten des Weltverbandes. Dabei hatte dieselbe AFC noch vor Kurzem mit der UEFA und dem nord- und mittelamerikanischen Verband CONCACAF gegen Infantinos Investorenvorhaben gestanden.

Mit dieser Kehrtwende ist der von der UEFA geplante Sturz Infantinos vor der Wahl im März 2027 in Rabat praktisch erledigt. Wer Asien, Afrika, Südamerika und zu großen Teilen Ozeanien hinter sich hat, dazu die arabischen Verbände mit zwölf AFC-Mitgliedern, der braucht die Stimmen aus Europa nicht mehr zu fürchten. Er regiert weiter.

Salman selbst liefert die Lesart gleich mit. „Gianni, ja, wir hatten in der Vergangenheit einige Probleme“, sagte er in Tokio. „Aber lassen Sie uns diese beiden Dinge nicht miteinander vermischen. Wir müssen nach vorne schauen.“ Nach vorne schauen heißt hier: vergessen, dass man vor Kurzem noch auf der anderen Seite stand. Der Fußball sei am stärksten, wenn man zusammenarbeite. Zusammenarbeiten heißt hier: mit dem Amtsinhaber.

Wie dieses Zusammenarbeiten belohnt wird, war schon in der Vorwoche zu besichtigen. Bei der Council-Sitzung beschloss die FIFA eine Arbeitsgruppe für mögliche Reformen – auf Vorschlag des asiatischen Verbandschefs. Der Mann, dessen Idee Infantino aufnahm, ist nun derselbe, der ihm die Stimmen Asiens zusichert. So kauft man eine Konföderation zurück, ohne dass Geld fließt: Man gibt ihr ein Gremium, und sie gibt einem ihre Loyalität.

Infantinos Nähe zur finanzstarken Golfregion ist nicht neu. Katar verteidigte der Schweizer rund um die WM 2022 vehement, die Endrunde 2034 ging unter seiner Führung nach einem dubiosen Verfahren an Saudi-Arabien. Dass sich zuletzt die Vereinigung arabischer Verbände hinter ihn stellte, passt ins Bild. Infantino hat die Peripherie des Weltfußballs längst zu seiner Mehrheit gemacht, während die UEFA noch glaubt, der Westen entscheide.

Natürlich endet die Nominierungsfrist erst am 18\. November, und was ein Verbandschef in Tokio zusichert, ist noch keine Stimme in der geheimen Wahl von Rabat. Salman spricht für die AFC, nicht für jede einzelne Hand, die im März den Zettel ausfüllt. Theoretisch bleibt Raum für Abweichler.

Nur: Dieser Raum nützt niemandem, der ihn nicht füllen kann. Die UEFA plant einen Gegenkandidaten – einen Namen gibt es nicht. Beim Gipfel der europäischen Verbandsbosse in Berlin wurden lediglich die Kriterien für einen Kandidaten festgelegt. Kriterien, keine Person. Gegen einen amtierenden Präsidenten, der sich für den gescheiterten Investorendeal entschuldigt hat, tritt ein Niemand an. Und ein Niemand gewinnt keine Wahl auf vier Kontinenten.

Infantino hat sich in der Vorwoche entschuldigt, eine Reform-Arbeitsgruppe eingerichtet und den Mann hinter dem Vorschlag an sich gebunden. Die UEFA hat eine Kriterienliste aus Berlin. Das ist der ganze Aufstand, und er war schon vorbei, bevor er einen Kandidaten hatte.