> ## Content Index
> Fetch the complete content index at: https://www.feverpitch.de/llms.txt
> Use this file to discover other available public pages before exploring further.

# Ein Bundesliga-Trainer redet über seinen Zusammenbruch – und fordert trotzdem "Eier"
- URL: https://www.feverpitch.de/ein-bundesliga-trainer-redet-uber-seinen-zusammenbruch-und-fordert-trotzdem-eier/
- Published: 2026-09-10T04:57:49.000Z
- Updated: 2026-09-10T05:39:10.000Z
- Description: Ralf Kettemann von Aufsteiger SC Paderborn musste zeitweise zu Spielen gefahren werden. Vorm BVB-Gastspiel verlangt er trotzdem Mut von seinen Spielern. Passt das zusammen?
- Author: Redaktion

Ein Trainer, der zu seinen eigenen Spielen gefahren werden muss, weil ihm die Kraft fehlt: Das ist der Satz, den Ralf Kettemann in der Sport Bild über sich selbst sagt – und den man erst einmal sacken lassen muss. Der 40-Jährige nennt diesen Moment seinen „Peak-Moment“. Nicht den Aufstieg, nicht ein großes Spiel. Den Tiefpunkt.

Dass ein aktiver Bundesligatrainer so offen über eine psychische Krise spricht, ist selten genug, man muss das festhalten: Kettemann hat sich „teilweise abgewertet gefühlt als Mensch, als plötzlich Spiele verloren gingen“. Er hat sein Selbstwertgefühl an Ergebnisse gekoppelt, bis nichts mehr ging. Das erzählt einer, der acht Jahre beim TSV Ilshofen gearbeitet und Paderborn dann in seiner ersten Profisaison in die Bundesliga geführt hat – ausgerechnet in dem Moment, in dem der Erfolg ihm recht geben könnte, redet er über das Scheitern.

Und dann, vor dem Duell bei Borussia Dortmund am Samstag, sagt derselbe Mann: „Aber wenn wir keine Eier haben, dann wird man auch keine Chance haben.“ Ein Satz aus der Kabine, hart, männlich, ergebnisorientiert. Von einem, der gerade erklärt hat, wie gefährlich es ist, den eigenen Wert an Ergebnisse zu hängen.

Man kann darin einen Widerspruch sehen, der die ganze feine Botschaft entwertet. Wer täglich abfragt, ob ein Spieler schlecht geschlafen hat, weil das Kind krank ist oder die Freundin am Abend zuvor Schluss gemacht hat, und dann vor dem Anpfiff „Eier“ verlangt, der schiebt die Selbstfürsorge womöglich nur als Schaufenster vor die alte Härte. So gelesen wäre die Offenheit eine PR-Geste, mehr nicht.

Nur trifft dieser Verdacht Kettemann nicht. Denn seine Lehre steht ausdrücklich neben dem Ergebnis, nicht darüber: „Man ist kein guter Mensch, wenn man ein Spiel gewinnt. Und man ist kein schlechter Mensch, wenn man eine Partie verliert.“ Das ist kein Aufruf zur Gleichgültigkeit. Das ist die Trennung von Leistung und Person – und genau die erlaubt es, im Spiel alles zu fordern, ohne dass eine Niederlage den Menschen beschädigt.

Kettemann hat sich professionelle Hilfe gesucht, hat „mit Menschen zusammengearbeitet, die einen spiegeln“. Er hat gelernt, den Druck vom Selbstwert zu lösen. Wer das geschafft hat, darf „Eier“ verlangen – weil er weiß, dass die fehlenden Eier am Samstag ihn nicht mehr zum schlechten Menschen machen. Der frühere Kettemann hätte diese Trennung nicht gehabt. Der neue hat sie.

Die tägliche Rückmeldung seiner Spieler zum körperlichen und emotionalen Zustand ist kein Weichspüler. Es ist Trainingssteuerung, die Kettemann für so notwendig hält wie eine Belastungsanalyse, nur eben für das, was keine Analyse messen kann. Nervosität nimmt er seinen Spielern nicht übel. Fehlenden Mut schon. Das ist kein Bruch, das ist Konsequenz.

Ilshofen, acht Jahre, Amateurfußball, „Trial and Error“, wie er selbst sagt – und dann der Sprung ganz nach oben. Kettemann hat auf diesem Weg gelernt, was zu viele im Geschäft verdrängen, bis es sie umwirft. Dass er beides sagen kann, den Zusammenbruch und die Forderung nach Mut, im selben Interview, ohne dass es sich beißt, ist die eigentliche Botschaft.

Am Samstag in Dortmund wird man sehen, ob seine Mannschaft Eier hat. Ihren Trainer macht das Ergebnis längst nicht mehr aus.