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# Die schönste Antwort aufs digitale Zeitalter hat 391 Seiten
- URL: https://www.feverpitch.de/die-schonste-antwort-aufs-digitale-zeitalter-hat-391-seiten/
- Published: 2026-09-09T04:02:28.000Z
- Updated: 2026-09-09T04:58:26.000Z
- Description: Fever Pit'ch Kolumnist Alex Steudel hat 38 Reportagen aus hundert Jahren in einem einzigen Buch vereint, von Egon Erwin Kisch bis heute. Eine Sammlung, die jeder Sportfan haben sollte.
- Author: Pit Gottschalk

Für seine Anthologie wollte Alex Steudel unbedingt eine Geschichte haben, die 1980 im Magazin Geo stand: „Endspiel", 29 Seiten über den amerikanischen Football-Klub Dallas Cowboys, geschrieben von Peter Sartorius, der drei Jahrzehnte lang für die Süddeutsche Zeitung arbeitete. Nur war das alte Heft bei Geo selbst nicht mehr aufzufinden. Steudel kaufte es schließlich bei eBay.

Seit diesem Mittwoch ist „Die besten deutschen Sport-Reportagen aller Zeiten" zu haben, und so ein Buch hat in Deutschland bisher gefehlt: 38 Reportagen auf 391 Seiten, die älteste von Egon Erwin Kisch aus dem Jahr 1925, die jüngsten aus der Gegenwart. Und Peter Sartorius' Stück "Endspiel" mittendrin. In einer Zeit, in der Sporttexte auf Handyformat geschnitten und von Algorithmen sortiert werden, ist diese Sammlung die schönste Antwort aufs digitale Zeitalter.

Versammelt sind Autorinnen und Autoren, die man sonst nicht zwischen zwei Buchdeckeln findet: Dirk Kurbjuweit, heute Chefredakteur des Spiegel, steht neben Alexander Osang, Ronald Reng, Holger Gertz, Doris Henkel, Jürgen Leinemann, Herbert Riehl-Heyse und Hans Blickensdörfer, von dem auch das Motto des Buches stammt. Erschienen sind ihre Stücke u.a. im Spiegel, in der Süddeutschen, in der Zeit, bei 11Freunde und im Playboy.

Ein Fußballbuch ist es trotzdem nicht, obwohl Steudel bei Fever Pit'ch als Fußballkolumnist schreibt. Nur ungefähr die Hälfte der Stücke handelt vom Fußball, die andere führt zu einer Rallye, zum Rudern, zum Boxen, zum Reiten und zu mehreren Olympischen Spielen. Kurbjuweit erzählt vom Tod des Ruderers Bahne Rabe, Schlagmann des deutschen Olympiagold-Achters von 1988\. Marielouise Jurreits „Requiem für Muhammad Ali" erschien 1971 in der Zeitschrift twen, über 40.000 Anschläge lang — das Blatt gibt es seit 1982 nicht mehr.

Die Idee dazu trägt Steudel seit 1999 mit sich, als ihm die amerikanische Sammlung „The Best American Sports Writing of the Century" in die Hände fiel. Bis er anfing, vergingen knapp 25 Jahre. „Wahrscheinlich habe ich noch nie so viel gelesen", schreibt er im Vorwort — Monate in Archiven, in Reporterpreisen und in längst eingestellten Magazinen, dazu Anrufe bei Kollegen.

Beim Lesen ist ihm aufgefallen, wie schwer solche Texte heute zu schreiben wären, weil kaum eine Redaktion ihren Reportern noch so viel Zeit gibt. Als Chefredakteur von Sport Bild bekam Steudel Ende der Nullerjahre den jährlichen Reise-Etat trotz größter Anstrengungen nicht ausgegeben. Ein Kollege bat damals seinen Ressortleiter um eine Woche bei der Badminton-WM und bekam zwei bewilligt. Steudels Bilanz kommt ohne Wehmut aus: „Es gab früher mehr Geld, weil mehr Geld reinkam."

Streiten lässt sich über die Auswahl, und Steudel fängt selbst damit an: „Mir ist klar, dass es eine subjektive Auswahl ist." Alexander Osang steht fünfmal im Inhaltsverzeichnis, Ronald Reng viermal, Hans Blickensdörfer dreimal. Wer andere Namen vermisst, hat gute Argumente. Beim Lesen wird er sie vergessen.

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### Zum Buch

*Alex Steudel (Hrsg.): Die besten deutschen Sport-Reportagen aller Zeiten. 391 Seiten, erschienen am 9\. September 2026, ISBN* 9783696777647*. Zu bestellen auch bei* [*Amazon*](https://amzn.to/4gC95N6)*.*

*Transparenz: Alex Steudel ist Fever Pit'ch Kolumnist. Und ab Seite 365 steht eine Reportage von Pit Gottschalk über Andreas Brehmes "Moment für die Ewigkeit".*