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# Die Bewertung der Schiris ist oft haarsträubend
- URL: https://www.feverpitch.de/die-bewertung-der-schiris-ist-oft-haarstraubend/
- Published: 2026-08-18T04:03:27.000Z
- Updated: 2026-08-18T04:04:03.000Z
- Description: Fairplay sollte auch im Amateurfußball gelten. Passiert das nicht, kann es für Vereine schon mal richtig teuer werden. Muss es auch, meint Gerd Thomas
- Author: Gerd Thomas

Ein Spiel, viele Einschätzungen – über das Schiedsrichtergespann. Ich komme etwas verspätet zum Auftaktspiel der Verbandsliga, wo gehobener Amateurfußball geboten wird. Auf den Rängen ist Schatten bei 32 Grad; auf dem Platz muss es die Hölle sein. Nicht nur die Spieler, auch das Schiedsrichtergespann ist der Sonne gnadenlos ausgesetzt. So sind die Bedingungen im Fußballsommer 2026\. Und sie dürften künftig noch schwieriger werden.

Zunächst wähle ich die Zuschauerperspektive links von den Trainerbänken. Interessanterweise ist das Publikum recht gemischt; Heim- und Gästefans sind nicht getrennt, was bei rund 100 Zahlenden auch nicht nötig ist. Die auf dieser Seite Anwesenden sind mit der Leistung des Gespanns recht zufrieden. Es gibt wie in jedem Spiel zwei, drei umstrittene Szenen, aber allgemein wird die lange Leine des Unparteiischen für gut befunden.

Aber nun mal auf die andere Seite; auch da sind viele Leute zu begrüßen. Die Lage hier ist eine andere. Kaum jemand ist mit dem Schiedsrichter zufrieden, wobei es eigentlich keine dramatischen Szenen gab. Hier wird er als zu kleinlich empfunden. Nun ist der Blick aufs Spielfeld rechts der Teambänke ein anderer als links davon. Auf der Gegenseite verlieren sich nur wenige Zuschauer; sie wirken eher genügsam.

## Unterschiedliche Einschätzungen am Spielfeldrand

  
Zurück auf den ursprünglichen Sitzplatz, wo inzwischen von Heim- und Gästefans unterschiedliche Einschätzungen geäußert werden. Die Assistentin auf unserer Seite ist zweimal nicht ganz auf Höhe, aber das waren die gut bezahlten Linienrichter bei der WM auch nicht immer. Eine kalibrierte Abseitslinie fehlt im Amateurfußball, und spielentscheidend ist ohnehin nichts. Dennoch höre ich mit zunehmender Spieldauer immer mehr lautstarke Rufe von außen. „Mann, Mann, Mann, das kann doch nicht wahr sein!“ ist ein eher harmloser Klassiker, aber die Lautstärke wird nicht dazu beitragen, dass das Gespann mehr Freude am Spiel hat. Auffällig: Das früher so gern skandierte „Schiedsrichter, Telefon!“ hat scheinbar ausgedient.

Plötzlich ein Laufduell vor dem Sechzehner: Der Gästestürmer kommt zu Fall, der Schiedsrichter überlegt kurz, blickt zu seinem jungen Linienrichter, gibt Freistoß und folgerichtig die rote Karte. Aus fast 70 Metern Entfernung betrachtet scheint die Entscheidung in Ordnung. Nach dem Spiel sagen Leute von der anderen Seite: „Für uns gut, aber das war zu hart!“ Andere wollen eine 50:50-Situation gesehen haben, in der man Foul ohne Rot hätte geben können – was nicht den Regeln entspräche. Ja, was denn nun? Mal sehen, was die Aufnahmen bei der Videoanalyse ergeben – die der Schiedsrichter während des Spiels nicht hat.

Man merkt Spielern wie auch dem Gespann an, dass die Temperaturen ihren Tribut fordern. Die nicht ganz austrainierten Gastgeber führen sehr glücklich mit 1:0, aber die Luft wird immer dünner. So fällt kurz vor dem Ende auch der verdiente Ausgleich. Der Schiedsrichter lässt die Zeit der kurzen Trinkpause nachspielen, gibt noch zwei Minuten drauf, dann ist das Mühen auf dem Platz beendet. Wir ziehen den Hut vor der Leistung aller, die trotz der Hitze ein gutes Spiel gezeigt haben. Und das ist es doch, was wir uns wünschen.

## Sexismus als ekelhafter Begleiter des Fußballs

Nach dem Spiel hat der Trainer des Heimteams dann doch noch einiges mit dem Schiedsrichter zu klären. Um was es geht, können wir nicht hören; vermutlich um die rote Karte, vielleicht auch um die Gelb-Rote in der letzten Minute, die sich ein Spieler von ihm nach zwei etwas übermotivierten Aktionen abholt.

Der Schiedsrichterbeobachter schreibt viele Dinge in seinen Block, wenn auch wohl kaum die eher laienhaften Beurteilungen der nicht immer regelsicheren Zuschauer. Ich verabschiede mich bei ihm mit den Worten: „Wenn beide Seiten finden, der Schiedsrichter hätte sie benachteiligt, wird er wohl gut und vor allem unparteiisch gepfiffen haben.“ Am Ende sind alle nicht wirklich zufrieden, aber auch niemand richtig unzufrieden.

Als das Gespann den Platz verlässt, kommt doch noch ein strunzdummer Spruch eines stadtbekannten Trainers, der mit dem Spiel selbst nichts zu tun hatte. Er beschimpft die Assistentin; sie habe schlecht gewunken, um dann mit dem Satz „Aber dafür bist du die Schönste auf dem Platz!“ abzuschließen. Keine Ahnung, ob sie das anzeigt; vermutlich nicht.

## Verbale Entgleisungen können teuer werden

Vor Jahresfrist hat ihr Schiedsrichter auf dem Platz das allerdings getan. Ein Zuschauer auf der gegenüberliegenden Seite pöbelte bei jeder ihrer Entscheidungen, wohlgemerkt aus fast 80 Metern Entfernung. Irgendwann wurde es dem jungen Assistenten auf dessen Seite zu bunt; der Pöbler flog vom Platz. Es war der Hauptsponsor des Heimvereins. Wie man hörte, setzte es anschließend eine deutliche Geldstrafe und Sperre. Die hatte er sich absolut verdient, genau wie seine Mannschaft die Niederlage.

Nicht nur Schiedsrichterinnen sind Ziel von dreisten verbalen Attacken. Als wir im letzten Jahr um 12.30 Uhr am äußersten Stadtrand spielten, standen schon beim Anpfiff rund 25 stark angetrunkene „Fans“ am Rand, bewaffnet mit einem Bollerwagen voller Bierkästen. Als der Linienrichter sich verletzte, kam ihm unsere Physiotherapeutin zur Hilfe, wenige Meter von den lallenden Anhängern entfernt. Der Vereinsvorsitzende sah sich erst nach Aufforderung genötigt, ein wenig zu deeskalieren. Der Schiedsrichter schrieb die schwer sexistischen Kommentare in einen Sonderbericht, dem eine vierstellige Geldstrafe folgte. Der Assistent musste von einem nüchternen Heimanhänger ersetzt werden, aber danach blieb es weitgehend ruhig.

Bei 30 Grad und mehr als zwei Promille sinkt irgendwann auch der Geräuschpegel.