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# City siegt in Liverpool – der Schuldspruch siegt trotzdem
- URL: https://www.feverpitch.de/city-siegt-in-liverpool-der-schuldspruch-siegt-trotzdem/
- Published: 2026-10-13T04:30:00.000Z
- Updated: 2026-10-13T04:29:59.000Z
- Description: Erling Haaland feiert den 3:0-Erfolg als Charakterbeweis. Doch Charakter löscht nicht aus, was eine unabhängige Kommission festgestellt hat.
- Author: Redaktion

Betrüger, stand auf den Bannern der Liverpool-Fans, 90 Minuten lang Buhrufe und Beschimpfungen – und am Ende steht Erling Haaland da, hat den Führungstreffer zum 3:0 erzielt und spricht von einem „wunderbaren Moment, der uns noch lange in Erinnerung bleiben wird“. Genugtuung, nennt er das. Nur worauf gründet sie?

Haalands Jubel ist die geschickteste Verteidigungsrede, die Manchester City in diesen Tagen führen kann: Wer „von der Abwehr bis zum Sturm unglaublichen Charakter“ zeigt, der lenkt den Blick vom Rasen weg von dem, was neben dem Rasen liegt. Und das wiegt schwer. Eine unabhängige Kommission der Premier League hat City im Finanzskandal in den meisten Anklagepunkten schuldig gesprochen.

Dieser Schuldspruch verschwindet nicht, weil Ryan Gravenberch nach Gelb-Rot vom Platz muss und das Spiel kippt. Er verschwindet nicht, weil Enzo Marescas Mannschaft sich nach einem schwierigen Beginn fängt und souverän gewinnt. Ein Fußballergebnis ist kein Freispruch. Es ist ein Fußballergebnis.

Formal lässt sich dagegenhalten: Der Klub hat Einspruch eingelegt, ein Strafmaß steht aus, also ist nichts endgültig entschieden. Wer noch im Verfahren steckt, darf auftreten, als sei nichts. Die Tabellenspitze mit 18 Punkten, drei Zähler vor Meister Arsenal, gehört City vollkommen zu Recht – sportlich.

Nur betrifft der Spruch ja nicht das Sportliche. Er betrifft, wie dieser Vorsprung zustande gekommen ist, über Jahre, mit welchem Geld, unter welchen Regeln. Einspruch heißt nicht Unschuld, Einspruch heißt: Der Befund steht, man wehrt sich gegen die Folgen. Die Banner in Liverpool reagieren nicht auf ein Gerücht. Sie reagieren auf eine Feststellung, die eine unabhängige Kommission getroffen hat.

Deshalb ist es schief, wenn Maresca die Anfeindungen zum reinen Geräusch erklärt. „Wir müssen lernen, mit dem Lärm umzugehen, denn der Lärm wird uns bei allen unseren Auswärtsspielen begleiten“, sagt der Italiener, der mit sechs Siegen zum Auftakt den Startrekord der Premier League einstellte. Sein Rezept: „Wir müssen unseren eigenen Lärm machen. Unser Lärm bedeutet, Spiele zu gewinnen.“ Ein makelloser Start, gewiss – nur taugt er nicht als Antwort auf einen Vorwurf, der mit Siegen gar nichts zu tun hat.

Elliot Anderson treibt die Umdeutung auf die Spitze: „Ich genieße den Lärm. Ich habe das Gefühl, dass ich darin richtig aufblühe.“ Aus dem Protest der Gegenseite wird so ein Motivationsbooster, aus der Anklage eine Trotzreaktion. Das ist bequem, weil es die eigene Mannschaft als Opfer inszeniert und die Fans auf dem Rang zu bloßen Störern macht.

Haaland selbst liefert den ehrlichsten Satz des Abends, ohne es zu merken: „Das Einzige, was wir tun können“, sei, „guten Fußball zu spielen“. Richtig. Guten Fußball kann City. Nur ist das eben das Einzige, was der 3:0-Sieg beweist – und nicht, dass die Banner unrecht hätten.

Genugtuung empfindet, wer glaubt, er habe sich etwas zurückgeholt, das ihm zu Unrecht genommen wurde. Haaland darf stolz sein auf drei Punkte in Liverpool. Nur mit dem Schuldspruch im Finanzskandal hat dieser Stolz nichts zu verrechnen: Der steht weiter da, und kein noch so starker Charakter spielt ihn weg.