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# Bruchhagen hat recht mit Kritik an den Beratern — und kommt 20 Jahre zu spät
- URL: https://www.feverpitch.de/bruchhagen-hat-recht-mit-kritik-an-den-beratern-und-kommt-20-jahre-zu-spat/
- Published: 2026-09-18T07:54:27.000Z
- Updated: 2026-09-18T08:09:08.000Z
- Description: Der frühere Eintracht-Vorstandschef nennt die Machtübergabe einen Kardinalfehler. Gewachsen ist die Beraterbranche, während er selbst an den Schalthebeln saß.
- Author: Pit Gottschalk

„Das Geld verlässt sozusagen den Kreis des Fußballs." So beschreibt der frühere Eintracht-Vorstandschef Heribert Bruchhagen im Sport1-Interview, was passiert, wenn Klubs ihre Berater prozentual an Transfererlösen beteiligen: ein „Kardinalfehler im Fußball". Was wohl so viel heißen soll wie: Da ist etwas über den Fußball gekommen, von außen, gegen seinen Willen. Nur hat der Fußball dieses Geld selbst herausgelassen.

In der Sache liegt er richtig, und die Zahlen sagen es deutlicher als sein Zitat. Die 36 Profiklubs der Bundesliga und der 2\. Liga überwiesen im Geschäftsjahr 2024/25 rund 297 Millionen Euro an Vermittler, ein Jahr zuvor waren es 274 Millionen; das steht in den DFL-Finanzkennzahlen vom 28\. Mai. Allein der FC Bayern zahlte 49,79 Millionen. Für das Geld bekäme ein Bundesligist einen Nationalspieler — nur läuft für diese 49,79 Millionen niemand auf.

Dass ein 78-Jähriger das offen ausspricht, ehrt ihn. Die Amtierenden sagen so etwas selten, solange sie selbst unterschreiben müssen. Bruchhagen hat recht mit den Beratern — und kommt zwanzig Jahre zu spät.

Am 1\. April 2015 schaffte die Fifa die Lizenzpflicht für Spielervermittler ab und überließ die Regeln den nationalen Verbänden; aus einer Prüfung wurde eine Registrierung. Bruchhagen war damals im zwölften Jahr Vorstandsvorsitzender von Eintracht Frankfurt, seit dem 1\. Dezember 2003, davor hatte er den Spielbetrieb der DFL geführt. Er saß also an den Tischen, an denen der deutsche Fußball beschloss, wie ernst er die Sache nimmt. Das Ergebnis jener Jahre steht heute in den Finanzkennzahlen.

Für die Berater spricht ja mehr, als sein Satz zulässt. Ein Neunzehnjähriger, dem ein Klub einen Fünfjahresvertrag hinlegt, verhandelt gegen eine Rechtsabteilung, einen Sportdirektor und einen Vorstand, der das seit dreißig Jahren macht. Ohne jemanden auf seiner Seite ist er halt die schwächere Partei, und das war er jahrzehntelang. Bruchhagens „undenkbar" über Trainer, die ihre Vertragsverlängerung von Beratern führen lassen, heißt übersetzt: Der Trainer soll allein mit den Leuten verhandeln, die ihn entlassen können.

Nur zielt sein eigentlicher Vorwurf gar nicht auf die Vertretung. Er zielt auf die prozentuale Beteiligung am Transfererlös, den Punkt, an dem ein Berater nicht mehr für seinen Spieler verhandelt, sondern am Umsatz mitverdient, den der Wechsel erzeugt. Am Erlös verdient eben nur, wer den Wechsel auch zustande bringt. Ausgehandelt hat diese Klauseln allerdings kein Berater allein: Unterschrieben haben sie die Klubs.

Und seit diesem Sommer lässt sich auch nicht mehr auf die Gerichte zeigen. Am 9\. Juli hat der Europäische Gerichtshof entschieden, dass das DFB-Reglement für Spielervermittlung unter die Ausnahme vom Kartellverbot fallen kann, wenn es ein legitimes Ziel verhältnismäßig verfolgt. Eine Woche später, am 16\. Juli, hat er das Fifa-Reglement in Teilen beanstandet, die Obergrenzen für Provisionen aber nicht als solche gekippt; abschließend entscheidet das Landgericht Mainz, frühestens zum Jahresende. Das Werkzeug, das jahrelang als kartellrechtswidrig galt, liegt wieder auf dem Tisch.

Benutzen muss es jemand, der noch im Amt ist. Denn das Geld verlässt den Kreis des Fußballs nicht von selbst — es wird überwiesen, Unterschrift für Unterschrift, von Leuten auf dem Stuhl, auf dem Heribert Bruchhagen zwölf Jahre lang saß.