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# Aus der Komfortzone auf Platz 1: Ich erkenne Dortmund nicht wieder
- URL: https://www.feverpitch.de/aus-der-komfortzone-auf-platz-1-ich-erkenne-dortmund-nicht-wieder/
- Published: 2026-09-21T04:56:31.000Z
- Updated: 2026-09-21T06:22:31.000Z
- Description: Der BVB ist erstmals seit Mai 2023 Tabellenführer: Fever Pit'ch-Kolumnist Alex Steudel über Niko Kovac und den einstigen Zickzack-Klub
- Author: Alex Steudel
- Tags: #kommentar1

Tagelang haben wir jetzt über Kane, Olise und den Ballon d'Or, über Elversberg, Klopp und den Ballon de Freiburg geredet, aber nun das: Die Bundesligatabelle bildet nichts davon ab, sie hat ein Eigenleben entwickelt. Auf Platz eins steht seit Samstagabend, dem 1:0 des BVB in Stuttgart: Borussia Dortmund! Zum ersten Mal nach 1212 spitzenplatzfreien Tagen.

Eintausendzweihundertundzwölf. Für Tarotkarten-Freaks ist 1212 die "Engelszahl" – sie sei ein Zeichen für spirituelles Wachstum, Ausrichtung und den Mut, die Komfortzone zu verlassen, habe ich nachgelesen. Passt. Auch wenn ich mehr an Kobel und Anton als an die Hohepriesterin und den Triumphwagen glaube.

Dortmund hat seine Komfortzone verlassen und sich an die Spitze der Bewegung gesetzt. Das ist keine Sensation, aber eine Überraschung: sechs Pflichtspiele in Bundesliga, Champions League und DFB-Pokal, sechs Siege, 17:4 Tore. Man kann es nicht anders sagen: der perfekte Saisonstart. Besonders wertvoll vor einer gefühlt monatelangen Länderspielpause.

Den gebeutelten BVB-Anhängern tut diese neue "gnadenlose Effizienz und hohe Widerstandsfähigkeit" (Sport-Informationsdienst) bestimmt gut. Nicht, dass sie, wie die Bayern-Fans, ohne Platz eins nicht leben könnten – ich kenne ein paar Dortmunder, für die schon die Existenz ihres Vereins den entscheidenden Mehrwert liefert.

Und jeder von ihnen wird eher unschöne Erinnerungen mit der 1212 verbinden.

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Vor 1212 Tagen, am 21\. Mai 2023, fand ein 34\. Bundesligaspieltag statt, der auf grässliche Art und Weise die letzte Tabellenführung für so lange Zeit bedeutete. Der BVB spielte nur 2:2 gegen Mainz und verlor damit auf der Zielgeraden die sichergeglaubte Meisterschale an den FC Bayern. Auf dem Platz stand damals noch Hummels, vorn stürmten Haller und Adeyemi.

Und heute? Ich erkenne den BVB nicht wieder.

Was macht diesen neuen, schleichenden Erfolg aus, diesen Abschied vom üblichen Zickzack-Kurs? Es mag komisch klingen, aber auf mich wirkt das heutige Dortmund besser und gefestigter als der damalige Beinahe-Meister unter Edin Terzic. Trainer Niko Kovac, immerhin 596 Tage im Amt, kontrolliert den Verein mit seiner ruhigen Art. Er scheint, wenn man zum Beispiel Kovac-Auftritte aus seiner Zeit als Wolfsburg-Trainer dagegenstellt, einiges dazugelernt zu haben. Niko, der Weise?

Dabei ist Dortmund nicht mehr der Spürhund des Fußballs, die Superstar-Durchreiche von früher – allein Erling Haaland, Jude Bellingham, Ousmane Dembélé, Jadon Sancho und Christian Pulisic haben ja zusammen fast eine halbe Milliarde Euro eingebracht. Aber: Mit ihnen allen zusammen gewann der BVB nur zwei DFB-Pokale, das darf man nicht vergessen.

Seit Sportdirektor Michael Zorc weg und seit Oberboss Lars Ricken ("Wir brauchen keinen Hehl daraus machen, dass sich Platz 1 ganz gut anfühlt") am Ruder ist, geht der BVB eher unspektakulär shoppen, doch effizient: Transfers wie Konstantinos Karetsas, Ethan Nwaneri und Joey Veerman haben nicht wie früher einen Sonderparteitag der internationalen Scheckbuch-Scouting-Vereinigung zur Folge, der BVB funktioniert aber so besser und klappt nicht jeden zweiten Spieltag zusammen wie früher.

Da schaut man dann auch mal gnädig über Fehlinvestitionen (wie Niclas Füllkrug) hinweg oder schluckt runter, dass Hansi Flick in Barcelona zeigt, wie man aus einem Karim Adeyemi mit etwas Fingerspitzengefühl und Geduld womöglich doch einen weiteren Superstar hätte basteln können.

Aber ist ja egal, was will man an einem kritisieren, der jetzt 18 Tage lang sicher auf Platz eins steht?

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