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# 45 Jahre Lücke: Kane ehrt mehr den Klub als sich selbst
- URL: https://www.feverpitch.de/45-jahre-lucke-kane-ehrt-mehr-den-klub-als-sich-selbst/
- Published: 2026-10-27T19:36:54.000Z
- Updated: 2026-10-27T19:36:54.000Z
- Description: Der Jubel der Münchner über den ersten Sieger seit Rummenigge feiert die eigene Rückkehr. Harry Kane stopft ein lange offenes Loch.
- Author: Redaktion

„Das ist ein stolzer Tag für den FC Bayern“, sagt Präsident Herbert Hainer am Montagabend nach der Wahl in London – und stellt Harry Kane gleich in eine Reihe mit Franz Beckenbauer, Gerd Müller und Karl-Heinz Rummenigge. Drei Namen, drei Epochen. Und dazwischen ein Loch, so groß, dass man es mit einer Jahreszahl ausfüllen muss: 45 Jahre.

Dass sich die Münchner so hörbar freuen, ist verständlich. Nur: Dieser Jubel feiert weniger den Engländer als den Verein, der endlich wieder dort steht, wo er sich selbst verortet. Sportvorstand Max Eberl spricht aus, worum es wirklich geht: „Der FC Bayern ist eine Bühne für Weltklasse.“ Das ist kein Satz über Kane, sondern einer über den FC Bayern.

Verdient hat Kane die Auszeichnung ohne Zweifel. Er setzte sich in London gegen Kylian Mbappé durch, gegen Lamine Yamal – gegen einen WM-Rekordtorschützen und einen Weltmeister. Wer in diesem Feld gewinnt, braucht keinen Klub, der ihm Glanz verleiht. „Harry verdient jede Auszeichnung dieser Welt“, sagt Eberl, und für einmal ist der Superlativ gedeckt.

Ein Verein, der einen Mann wie Kane verpflichtet, darf den Triumph mit Recht als seinen eigenen verbuchen. Das ist die eigene Leistung: die Bühne zu bauen, auf der einer so spielen kann. Eberls Formel von der Bühne ist in diesem Sinne sogar wahr.

Nur verrät die Zahl, die Hainer stolz nennt, eine andere Geschichte. Zuletzt hatte 1981 mit Rummenigge ein Münchner Profi den Ballon d'Or gewonnen – ein Verein, der sich in einer Reihe mit Beckenbauer und Müller sieht, hat also fast ein halbes Jahrhundert keinen Sieger gestellt. Kein Beleg für eine Bühne der Weltklasse, eher das Protokoll ihres Fehlens.

Und die Lücke reicht über den eigenen Klub hinaus. Kane ist der erste ausgezeichnete Bundesliga-Profi seit Matthias Sammer 1996\. Dreißig Jahre, in denen die deutsche Liga bei der wichtigsten individuellen Auszeichnung des Fußballs nicht vorkam. Marc Lenz und Steffen Merkel, die Geschäftsführer der Bundesliga, nennen es „eine riesige Freude, ihn Woche für Woche in der Bundesliga spielen zu sehen“. Die Freude ist echt – sie ist auch die Freude darüber, überhaupt wieder dabei zu sein.

Genau deshalb kippt der Ton, wenn Vorstandschef Jan-Christian Dreesen Kane „eine der größten Persönlichkeiten des Weltfußballs“ nennt und Hainer ihn neben Beckenbauer stellt. Die Einordnung ist ehrenwert. Aber sie dient dem, der sie ausspricht. Je höher man Kane hebt, desto höher steht wieder der Klub, der ihn hält.

Am Samstag soll Kane beim Topspiel gegen Borussia Dortmund im Stadion geehrt werden. Dann wird der Verein feiern, und das zu Recht – denn gefeiert wird ja auch die eigene Rückkehr. Nur sollte man dabei nicht so tun, als sei die 45er-Lücke ein Ruhmesblatt. Sie ist das, was Kane gerade stopft.